Kleists “Michael Kohlhaas” gelesen von Ulrich Matthes

Posted by Stefan Schmalhaus 0 comments

Kafka liebte es bekanntlich, “Michael Kohlhaas” vor Zuhörern vorzulesen. Und tatsächlich entfaltet sich der musikalische Zauber der Kleistschen Prosa erst beim lauten Lesen. Die von vielen (stillen) Lesern als abschreckend empfundene Kompliziertheit des Kleistschen Satzbaus verschwindet, wenn die syntaktischen Strukturen durch angemessene Betonung, Satzmelodie und Sprechgewschwindigkeit zum Leben erweckt werden. Genau dieses Kunststück gelingt Ulrich Matthes mit seinem ruhigen, sensiblen Vortrag. Mit feinsten stimmlichen Abstufungen schafft er es, erzählerischen Bericht und wörtliche Rede der handelnden Personen voneinander abzugrenzen. Matthes’ Timbre und Sprechrhythmus schmiegen sich gewissermaßen den erzählten Begebenheiten an. Als Beispiel sei hier nur auf die Stelle verwiesen, wo Kohlhaas sich bei seiner Frau nach dem Befinden des geschundenen Knechts Herse erkundigt und fragt, ob dieser schon wieder hergestellt sei: “Bis auf das Blutspeien, antwortete sie, halb und halb.” Unnachahmlich und absolut hörenswert, wie Ulrich Matthes diesen Satz mit zarter Ironie spricht!

Wer das Hörbuch direkt auf den iPod herunterladen möchte, kann die Datei bei audible.de für 9,95 EUR kaufen.

Published January 28, 2010, filed in Literatur 0 comments
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