Messer in den USA bestellen – lohnt sich das?

Posted by Stefan Schmalhaus 6 comments

Mein Beitrag “Paracord in den USA bestellen – lohnt sich das?” gehört zu den am häufigsten aufgerufenen Artikeln in diesem Blog. Dieses Mal geht es um das Bestellen von Messern in den USA und um die gleiche Frage: Lohnt sich das?

Die Antwort ist etwas komplizierter, da hier Summen ins Spiel kommen, die schnell über der Zoll-Freigrenze von 150 EUR liegen können. In jedem Fall wird aber ab einem Warenwert von 22 EUR die Einfuhrumsatzsteuer fällig. Ich habe vor meiner Bestellung von zwei Spyderco-Messern das Ganze durchgerechnet und bin trotz aller zusätzlichen Kosten auf eine deutliche Ersparnis gekommen.

Vorweg lässt sich sagen, dass sich eine Direktbestellung in den USA nur lohnt, wenn der Dollar-Preis eines Messers signifikant unter dem Euro-Wert liegt, zu dem es bei deutschen Händlern angeboten wird (außerdem muss natürlich der aktuelle Dollarkurs mit in die Kalkulation einbezogen werden). Auf Grund der hohen Versandkosten rechnet sich die Bestellung eines einzelnen Messers gewöhnlich auch nicht. Je mehr Messer man bestellt, desto günstiger wird es in der Regel (einmal abgesehen von schweren Messern, deren Gewicht sich dann wieder negativ auf die Versandkosten auswirkt).

Erhebliche Preisunterschiede zwischen USA und Europa gibt es insbesondere bei Spyderco-Messern. Deshalb umfasste meine erste Bestellung in den USA die Spyderco-Modelle “Sage 1″ mit Griffschalen aus Kohlefaser und das neue “Endura 4 FFG” mit grünen FRN-Griffschalen. Für das “Sage 1″ bezahlt man bei deutschen Händlern zwischen 158 und 180 EUR oder sogar noch mehr, das “Endura 4″ schlägt mit 84 bis 90 EUR zu Buche. Man bezahlt also in Deutschland mindestens um die 242 EUR für beide Messer.

Auch in den USA gibt es deutliche Preisunterschiede bei verschiedenen Händlern, hier ist jedoch zusätzlich immer noch ein Blick auf die Versandkosten zu werfen. Außerdem war es mir wichtig, bei einem wegen seiner internationalen Zuverlässigkeit bekannten Versender zu bestellen. Wenn man sich in der Szene ein wenig umhört, werden immer wieder dieselben Namen genannt, darunter knifecenter.com, wo ich schließlich auch bestellt habe. Zum Zeitpunkt meiner Bestellung (4. Juli 2010) kostete das “Sage 1″ auf knifecenter.com 114,95 USD und das “Endura 4″ 59,95 USD.

Der Warenwert beträgt also 174,90 USD, dazu kommen Versandkosten in Höhe von 36 USD, was in der Summe 210,90 USD ergibt. Da der Warenwert in Euro (142,53 EUR) innerhalb der Freigrenze liegt, wurde kein Zoll fällig, sondern lediglich die 19% Einfuhrumsatzsteuer (gerechnet vom Warenwert), also 27,08 EUR. Legt man den (nicht gerade günstigen) Dollarkurs von 1,23 USD zugrunde, kommt man für Ware und Versand auf etwa 171,46 EUR, plus Einfuhrumsatzsteuer ergibt das Gesamtkosten in Höhe von etwa 199 EUR. Die Steuer konnte ich übrigens bequem direkt bei meinem DHL-Boten bezahlen, ich musste das Paket also nicht extra vom Zollamt abholen.

Die Differenz zwischen dem USA-Kauf (199 EUR) und dem Erwerb in Deutschland (242 EUR) beträgt in meinem Fall also 43 EUR. Das ist in etwa der Gegenwert eines Spyderco Persistence (wenn man es in Deutschland kauft). Prozentual ausgedrückt: Der Kauf in den USA war ca. 18% günstiger als in Deutschland. Das ist doch schon etwas! Wenn der Euro in Zukunft wieder stärker wird, fällt die Bilanz sogar noch besser aus.

Fazit: Ein Messerkauf in den USA kann sich lohnen, vor allem dann, wenn die Preise auf dem deutschen Markt überproportional über denen in den USA liegen. In jedem Fall sollte man vor einer Bestellung sämtliche Nebenkosten genau durchkalkulieren. Zugegebenermaßen wird es natürlich etwas komplizierter, wenn mit einem Messer einmal etwas nicht in Ordnung sein sollte. Eine Rücksendung in die USA macht dann natürlich alle Einsparungen wieder zunichte. Da ich bei Spyderco jedoch einen durchweg hohen Qualitätsstandard gewohnt bin, ist dies meine geringste Sorge.

Published July 17, 2010, filed in EDC, Outdoor, Verschiedenes 6 comments
6 Comments
Aug 3, 2010
11:35
#1 Heinz Grefenstein :

Diese Erfahrungen kann ich bestätigen. Was man aber mit bedenken sollte. Es gibt in den USA eine Menge Messer, die hier gar nicht oder kaum erhältlich sind.
Da kann ein Kauf auch einmal “lohnen” wenn damit keine Ersparnis verbunden ist.

Aug 29, 2010
15:56
#2 roxon :

Was hat es den für Konsequenzen, wenn eine Bestellung aus den USA über der Zoll-Freigrenze von 150 EUR liegt?

Aug 30, 2010
01:22

@roxon Du zahlst zusätzlich zur Einfuhrumsatzsteuer noch Zollgebühren.

Aug 30, 2010
21:25
#4 roxon :

ich hab mal recharchiert:
Die Zollgebühren für Blankwaffen aus den USA betragen 1,7% des Kaufpreises.

noch eine Frage zur Einfuhrumsatzsteuer:
Könnte man die/das Messer nicht als Sammelstück/e deklarieren? Denn darauf beträgt die Einfuhrumsatzsteuer nur 7% statt 19%.

Aug 31, 2010
01:10

@roxon Ich bin kein Zollexperte, aber als Sammlerstück geht ein in Serie produziertes Griptilian oder Delica bestimmt nicht durch. Außerdem: Die seriösen Messerhändler in den USA werden sich auf absichtliche Falschdeklarationen schon deshalb nicht einlassen, weil sie dadurch selbst Ärger bekommen können. Einige US-Händler weisen ihre internationale Kundschaft schon vorsorglich auf ihrer Website darauf hin, dass sie solche Praktiken ablehnen. Sicherlich wirst Du aber auf eBay auch Händler finden, die es nicht so genau nehmen. Es gibt dort sogar einen Händler, der offensiv damit wirbt, dass er alle internationalen Sendungen als “Gift” mit einem Warenwert von 20 Dollar deklariert. Ehrlich gesagt, würde ich dort niemals bestellen, weil ich mir den Ärger ersparen will, der mir als Empfänger droht, wenn der Zoll zufällig mal ein falsch deklariertes Päckchen öffnet.

Sep 2, 2010
00:33
#6 roxon :

Danke für deine Meinung/Hilfe.
ich stehe grad mit einem US-Händler in Verhandlung.
wenn das Geschäft über die Bühne gegangen ist, werd ich meine Erfahrungen gerne posten.
Bis dahin…roxon

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