Ein wilhelminischer Klassiker: Das Mercator-Messer
1 comments
Das Mercator ist ein Messer, das seit 1867 nahezu unverändert gefertigt wird, wenn auch nicht mehr von der Stahlwarenfabrik, die dieses Messer vor über 140 Jahren entwickelt hat. Nach dem Niedergang des ursprünglichen Herstellers Heinrich Kaufmann & Söhne, India-Werke, Solingen übernahm im Jahr 1995 die ebenfalls in Solingen ansässige Firma Otter die Produktion des Messers, das inzwischen weltberühmt geworden war. Die simple, aber effektive Bauweise, die berühmte Katze auf dem Griff und die eigenwillige Bezeichnung “K55K” (wobei das zweite “K” spiegelverkehrt ist) haben den legendären Ruf dieses Messers geprägt.
In wilhelminischer Zeit und während des Ersten Weltkriegs erfreute sich das Messer besonderer Beliebtheit unter den Soldaten, obwohl es niemals als offizielles Militärmesser ausgegeben worden war. Aus dieser Zeit stammt auch die Bezeichnung “Kaiser-Wilhelm-Messer”. Aber auch nach dem Untergang des Kaiserreichs verlor das Klappmesser nichts von seiner Attraktivität. Nach dem Zweiten Weltkrieg brachten es amerikanische GIs mit in ihre Heimat, wo es unter dem Namen “Black Cat Knife” berühmt wurde.
Was hat es nun mit der Namensgebung und dem merkwürdigen Kürzel auf sich? Im neunzehnten Jahrhundert waren Fabrikanten noch bildungsbeflissen, so dass Heinrich Kaufmann aus der lateinischen Übersetzung seines Nachnamens (“Mercator”) den Markennamen kreierte. In der Bezeichnung “K55K” steht das erste “K” für den Anfangsbuchstaben des Namens “Kaufmann”, das zweite “K” steht für den Anfangsbuchstaben des Wortes “Katze”. Und die 55 in der Mitte? Nun, das Stammhaus der India-Werke lag in der Hochstraße 55.
Otter orientiert sich, wie erwähnt, unverändert am Vorbild, bietet das Messer jedoch in verschiedenen Größen und Stahlvarianten an (Kohlenstoffstahl und rostfreier Stahl). Die Bauweise ist bei allen Modellen gleich: Ein einfacher lackierter Eisenkasten dient als Griff, und eine starke Rückenfeder (Lockback-Mechanismus) sorgt für eine sichere Arretierung der Klinge. Das war’s – abgesehen vielleicht noch von dem am unteren Griffende angebrachten Befestigungsring. Der etwas altmodische Charme macht dieses Messer zu etwas Besonderem. Da sich das Messer nur zweihändig öffnen lässt, kann es legal als EDC-Messer in Deutschland geführt werden.
Ich habe mich für die Kohlenstoffstahl-Variante mit der in den Griff eingeprägten goldfarbenen Katze entschieden. Im Auslieferungszustand ließ die Schärfe des Messers zwar zu wünschen übrig, nach wenigen Minuten Arbeit mit dem Sharpmaker hatte ich die Klinge jedoch rasiermesserscharf!
- Video zum "Kaiser-Wilhelm-Messer" (Mercator K55K) | Stefan Schmalhaus
« Kostspieliges Gentleman-Vergnügen: Spyderco Urban Next Post
Wild West made in China: Barlow-Messer von Rough Rider »




























